Ist es noch notwendig, jemandem Twitter zu erklären? Ich denke schon, denn die Trendsetter in unserer Gesellschaft twittern bereits seit einiger Zeit und das Gros der Menschen zieht langsam, aber sicher nach. Vermutlich sind die Early-Adopters schon mit der nächsten Technik- oder Lifestyle-Innovation unterwegs, während der aktuelle Hype um Twitter zurzeit in alle medial gerüsteten Haushalte diffundiert.
Spätestens seit der Flugzeugkatastrophe im Hudson River im Januar diesen Jahres ist Twitter in aller Munde. Und gerade Menschen, die schnelle Nachrichten, Bilder, Musik etc. unter ihresgleichen verbreiten wollen, fliegen auf den einfach zu nutzenden Mikro-Blogging-Service.
Es gibt mittlerweile genügend Menschen, die über ihre Website vermitteln, wie man sich bei Twitter anmeldet und die Basics beherrscht. Dabei bleibt es aber auch für viele, denn laut einer Studie der Harvard Business School sind real nur 10% der Twitterer wirklich aktiv und produzieren 90% des anfallenden Contents.
Für ein angebliches Community-Kommunikationstool recht wenig, verglichen mit anderen Social Networks. Bei diesen sind die aktivsten 10% der Profilinhaber nur für 30% der Beiträge verantwortlich. Damit ist Twitter aus Sicht der Studiemacher anstatt als One-to-One-Tool eher als ein One-to-Many-Medium, vergleichbar mit der Online-Enzyklopädie Wikipedia, einzustufen.
Was meint, dass über diesen einseitigen Sendekanal Mediengrößen wie die US Star-Talkerin Oprah Winfrey ihre Anhänger noch stärker vermehren können und die in China protestierenden Uiguren auf effiziente Weise Demonstrationen organisieren können. Aber ein intensiver Austausch untereinander via Twitter findet offensichtlich nicht statt.
Darüber hinaus haben bei Twitter laut der Harvard Studie 80% der angemeldeten User nur einen Follower und rund die Hälfte aller Twitterianer sendet einen einzigen Tweet innerhalb von 74 Tagen ab.
Wie das Marktforschungs-Institut Nielsen schon im April herausfand, kann Twitter auch nur etwas über ein Drittel seiner Abonnenten halten. Die anderen 60% springen bereits innerhalb des ersten Monats wieder ab und bescheren dem Zwitscherdienst gegenüber den ähnlich bekannten Peer-to-Peer-Angeboten MySpace und Facebook eine nur halb so hohe Bindungsrate.
Da Twitter seine Dienste demnächst für kommerzielle Nutzer gegen bare Münze anbieten will, ein tragisches Ergebnis. Dennoch, Twitter soll in Zukunft Gewinn einbringen und so wird das Kleingedruckte in den AGBs zum Tragen kommen. Hier hat man sich nämlich mit Beitritt zu Twitter von der Sicherheit seiner persönlichen Nutzerdaten verabschiedet. Ab der Zustimmung zu den Geschäftsbedingungen darf der gehypte Online-Service alle privaten Daten nach Belieben weitergeben und veräußern.
Man darf auf eine Flut von Spam-Tweets gespannt sein.