Fettnäpfchen voRWEg
Erstellt von Rolf am 23. Juli 2009
Es scheint wie die Ironie des Schicksals. Der Energieversorger RWE launcht seinen neuen Unternehmensspot in Kino und Fernsehen und feiert sich selbst als Power-Riesen, da bricht in Sachsen-Anhalt eine stillgelegte Tagebaugrube in sich zusammen. Wer da keinen Zusammenhang herstellen kann, sollte sich das von Jung von Matt erdachte Werbefilmchen mit dem 60 m hohen, 300 t schweren, personifizierten Energieriesen anschauen.
Der in Zusammenarbeit mit der schwedischen Animationsfirma Fido entwickelte 3D-Charakter bewegt sich durch die Landschaft und gestaltet liebevoll seine Welt mit Windrädern und Meeresströmungskraftwerken. Nebenbei repariert der Hüne Hochspannungsleitungen wie unsereins Wäsche aufhängt und versorgt den Neubau eines Einfamilienhauses mit einem Gastank.
Bevor er eine Großstadt mittels eines zum Wasserrad umfunktionierten Riesenrades mit Strom versorgt, vergnügt er sich noch in einer tiefen Tagebauhalde wie ein Kind im Sandkasten. Anschließend renaturiert er die umliegende “Mondlandschaft” durch das Ausrollen von überdimensionalen Rollrasen-Teppichen und streut Samen aus, die in windeseile zu Bäumen heranwachsen.
Sollte ihm bei aller Freude über sein wohlfeiles Werk der tonnenschwere Fuß ausgeglitten sein und in Nachterstedt das Seeufer ruiniert haben? Für Nordrhein-Westfalen, wo die Großtagebaue von RWE beheimatet sind, schließt der Energieriese solche Katastrophen aus. Die Gruben Garzweiler, Hambach und Inden seien mit großräumigen Sicherheitszonen im Umfeld geschützt (Spiegel Online; 20.07.2009).
Bleibt zu hoffen, dass sich das Ungetüm aus dem Spot nicht aus Versehen hierher verirrt und zu verheerender Tat schreitet. Ganz nach dem neuen, selbstbewußten Unternehmensmotto: „Es kann so leicht sein, Großes zu bewegen, wenn man ein Riese ist.“
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