Ist es doch Jo Swinson, Parlamentsmitglied für die britischen Liberal Democrats, gelungen, mit der Forderung nach Kennzeichnung von irreführender Photoshop-Bildbearbeitung in der Werbung, die Sommerloch-Kampagne im verregneten Inselstaat loszutreten.
Auf einem dünnen Ast sitzend, stößt sie sich an der Kampagne des englischen Kosmetik-Konzern Olay für die Anti-Falten-Creme „Definity“. Olay wirbt mit Twiggy (dt.: Zweiglein), dem Supermodel der 60er Jahre, und ihrem Bekenntnis, mit dem Einsatz dieses Präparats „brighter-looking eyes“ zu erreichen. Das glaubt man der am 19. September 60 Jahre alt werdenden Beauty aufs Wort, wenn man sich ihren makellosen Teint und die strahlenden Augen in der Anzeige betrachtet.

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Vergleicht man allerdings wie www.bellasugar.com und www.20min.ch unretouchierte Aufnahmen des Jury-Mitglieds von America’s Next Top Model mit dem Kommunikat des in Deutschland unter Olaz firmierenden Schönheitsgiganten, lässt sich die aufhübschende Arbeit eines versierten Grafikers nicht leugnen.

Das im anglo-amerikanischen Raum Airbrushing genannte „Optimieren“ von Fotos möchte Swinson am Liebsten völlig verbieten lassen, sofern Produkte beworben werden, die sich an unter 16-jährige richten bzw. diesen ein irreales Weltbild vermitteln.

Als Mitglied des Umweltaudit-Kommission des Parlaments und Shadow Minister für Außenpolitik bei den Liberal Democrats begründet Jo Swinson ihr Engagement für die Jugend: “Today’s unrealistic idea of what is beautiful means that young girls are under more pressure now than they were even five years ago. Airbrushing mean that adverts contain completely unattainable images that no-one can live up to in real life. We need to help protect children from these pressures and we can make a start by banning airbrushing in adverts aimed at them.”

Dass dieser „don-quijotische“ Kampf gegen die Allmacht der Werbung gut gemeint ist, aber von der Realität überrollt wird, dürfte klar sein. Schließlich besteht die Attraktivität der Medien gerade in der Überhöhung der oftmals wenig schmeichelhaften Faktenlage. Stars müssen schöner sein als man selbst, müssen in ihrer Anbetungswürdigkeit stilisiert und heroisiert werden, um ihrer Vorbildfunktion gerecht zu werden. Dass sie dabei auch zuweilen an sich selbst scheitern, dürfte das tragische Schicksal von Michael J. belegen, dem derzeit wohl prominentesten Opfer von Selbstikonisierung und Plastic Surgery Disaster (Fotos auf www.henrymakow.com).

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In Deutschland findet diese Britannien weite Mediendiskussion in Zeiten des heißen Bundestagswahlkampfs und der personenfokussierten Kampagnen der Parteien keinen Widerhall. Hier sollen schließlich Themen im Vordergrund stehen und nicht die Frage, wie stark sich die strahlenden Antlitze der für sich auf Großflächenplakaten werbenden Politiker von ihren durch Nachtsitzungen und Wahlschlachten gezeichneten wahren Gesichtern unterscheiden.

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