TnT Blog · Der Blog von TAPAS & TWAIN

Archiv für die 'Sonstiges' Kategorie

Von uns für Euch!

Erstellt von Nils am 28. August 2009

Auf unserer facebook-Seite verschenken wir unter unseren Fans eine kleine Überraschung. Einfach bei entsprechendem Eintrag eine “Bewerbung als Überraschungsempfänger” hinterlassen. Let the games begin!

Wessen Bewerbung uns am Besten gefällt gewinnt. Rechts- und Linksweg ist natürlich ausgeschlossen.

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Kennzeichnungspflicht von Bildbearbeitungen?

Erstellt von Rolf am 18. August 2009

Ist es doch Jo Swinson, Parlamentsmitglied für die britischen Liberal Democrats, gelungen, mit der Forderung nach Kennzeichnung von irreführender Photoshop-Bildbearbeitung in der Werbung, die Sommerloch-Kampagne im verregneten Inselstaat loszutreten.
Auf einem dünnen Ast sitzend, stößt sie sich an der Kampagne des englischen Kosmetik-Konzern Olay für die Anti-Falten-Creme „Definity“. Olay wirbt mit Twiggy (dt.: Zweiglein), dem Supermodel der 60er Jahre, und ihrem Bekenntnis, mit dem Einsatz dieses Präparats „brighter-looking eyes“ zu erreichen. Das glaubt man der am 19. September 60 Jahre alt werdenden Beauty aufs Wort, wenn man sich ihren makellosen Teint und die strahlenden Augen in der Anzeige betrachtet.

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Vergleicht man allerdings wie www.bellasugar.com und www.20min.ch unretouchierte Aufnahmen des Jury-Mitglieds von America’s Next Top Model mit dem Kommunikat des in Deutschland unter Olaz firmierenden Schönheitsgiganten, lässt sich die aufhübschende Arbeit eines versierten Grafikers nicht leugnen.

Das im anglo-amerikanischen Raum Airbrushing genannte „Optimieren“ von Fotos möchte Swinson am Liebsten völlig verbieten lassen, sofern Produkte beworben werden, die sich an unter 16-jährige richten bzw. diesen ein irreales Weltbild vermitteln.

Als Mitglied des Umweltaudit-Kommission des Parlaments und Shadow Minister für Außenpolitik bei den Liberal Democrats begründet Jo Swinson ihr Engagement für die Jugend: “Today’s unrealistic idea of what is beautiful means that young girls are under more pressure now than they were even five years ago. Airbrushing mean that adverts contain completely unattainable images that no-one can live up to in real life. We need to help protect children from these pressures and we can make a start by banning airbrushing in adverts aimed at them.”

Dass dieser „don-quijotische“ Kampf gegen die Allmacht der Werbung gut gemeint ist, aber von der Realität überrollt wird, dürfte klar sein. Schließlich besteht die Attraktivität der Medien gerade in der Überhöhung der oftmals wenig schmeichelhaften Faktenlage. Stars müssen schöner sein als man selbst, müssen in ihrer Anbetungswürdigkeit stilisiert und heroisiert werden, um ihrer Vorbildfunktion gerecht zu werden. Dass sie dabei auch zuweilen an sich selbst scheitern, dürfte das tragische Schicksal von Michael J. belegen, dem derzeit wohl prominentesten Opfer von Selbstikonisierung und Plastic Surgery Disaster (Fotos auf www.henrymakow.com).

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In Deutschland findet diese Britannien weite Mediendiskussion in Zeiten des heißen Bundestagswahlkampfs und der personenfokussierten Kampagnen der Parteien keinen Widerhall. Hier sollen schließlich Themen im Vordergrund stehen und nicht die Frage, wie stark sich die strahlenden Antlitze der für sich auf Großflächenplakaten werbenden Politiker von ihren durch Nachtsitzungen und Wahlschlachten gezeichneten wahren Gesichtern unterscheiden.

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Fettnäpfchen voRWEg

Erstellt von Rolf am 23. Juli 2009

Es scheint wie die Ironie des Schicksals. Der Energieversorger RWE launcht seinen neuen Unternehmensspot in Kino und Fernsehen und feiert sich selbst als Power-Riesen, da bricht in Sachsen-Anhalt eine stillgelegte Tagebaugrube in sich zusammen. Wer da keinen Zusammenhang herstellen kann, sollte sich das von Jung von Matt erdachte Werbefilmchen mit dem 60 m hohen, 300 t schweren, personifizierten Energieriesen anschauen.

Der in Zusammenarbeit mit der schwedischen Animationsfirma Fido entwickelte 3D-Charakter bewegt  sich durch die Landschaft und gestaltet liebevoll seine Welt mit Windrädern und Meeresströmungskraftwerken. Nebenbei repariert der Hüne Hochspannungsleitungen wie unsereins Wäsche aufhängt und versorgt den Neubau eines Einfamilienhauses mit einem Gastank.

Bevor er eine Großstadt mittels eines zum Wasserrad umfunktionierten Riesenrades mit Strom versorgt, vergnügt er sich noch in einer tiefen Tagebauhalde wie ein Kind im Sandkasten. Anschließend renaturiert er die umliegende “Mondlandschaft” durch das Ausrollen von überdimensionalen Rollrasen-Teppichen und streut Samen aus, die in windeseile zu Bäumen heranwachsen.

Sollte ihm bei aller Freude über sein wohlfeiles Werk der tonnenschwere Fuß ausgeglitten sein und in Nachterstedt das Seeufer ruiniert haben? Für Nordrhein-Westfalen, wo die Großtagebaue von  RWE beheimatet sind, schließt der Energieriese solche Katastrophen aus. Die Gruben Garzweiler, Hambach und Inden seien mit großräumigen Sicherheitszonen im Umfeld geschützt (Spiegel Online; 20.07.2009).

Bleibt zu hoffen, dass sich das Ungetüm aus dem Spot nicht aus Versehen hierher verirrt und zu verheerender Tat schreitet. Ganz nach dem neuen, selbstbewußten Unternehmensmotto: „Es kann so leicht sein, Großes zu bewegen, wenn man ein Riese ist.“

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Nike Chalkbot on Tour de France

Erstellt von Rolf am 13. Juli 2009

Zur Tour de France hat sich die Lance Armstrong Foundation etwas ganz besonders Virales ausgedacht, um ihren Kampf gegen den Krebs in die Öffentlichkeit zu tragen (zuerst entdeckt bei the-pimp.de). Die Kampagne Live Strong schickt den sogenannten Nike Chalkbot auf die Radrennpiste und sprüht mit gelber Kreidefarbe Wünsche und Hoffnungen gegen die für viele Menschen unheilbare Krankheit auf den Straßenbelag.

Jeder Mensch auf diesem Planeten kann per Kurznachricht mitteilen, “what you’re doing to make a difference or why you live strong.” Die auf das Pflaster gebrachte Botschaft an Freunde, Verwandte und den Rest der Weltbevölkerung kann man mit etwas Glück bei einer Helikopter-Kamerafahrt während der Live-Übertragung der Tour sehen. Schließlich schickt der Chalkbot eine Antwort mit einem “Beweis”-Foto und den GPS-Kordinaten seiner Arbeit. Als Link aufs Handy bzw. an die Quelle, von der man seine SMS oder seinen Tweed abgeschickt hat.

Der Nike Chalkbot präpariert mit seinen 48 Spraydüsen den Asphalt ca. 8 Stunden bevor der Fahrerpulk eintrifft und arbeitet eine Nachricht nach der anderen ab. Gesteuert durch die zwei an Bord befindlichen Computer, von denen der eine für das Drucken und der andere für die Abstimmung des Datentransfers, die Digitalkamera und das GPS-Gerät zuständig ist.

Komplett automatisiert funktioniert das Ganze allerdings nicht. Zwischen Mensch und Maschine befindet sich noch eine Art Redakteur, der alle eingehenden Kurztexte auf Relevanz prüfen und freigeben muss. Und außerdem muss man sich als erstes über die Website von Live Strong bei Nike registrieren, um sich in Frankreich mit gelben Buchstaben zu “verewigen”.  Ist das geschehen, steht der Umsetzung dieser neuen Form von Street Art nichts mehr im Wege.

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Urban Affairs im Stadtbad Wedding

Erstellt von Rolf am 13. Juli 2009

Die Eröffnung der diesjährigen Street-Art Ausstellung Urban Affairs im Stadtbad Wedding verlief unspektakulär. Veranstalter Jochen Küpper (RIOTarts) verlor auf der Treppe nur wenige Worte über die räumlichen Ausmaße der Präsentationsflächen in dem stillgelegten Hallenbad. Dann schoben sich die ersten fünfzig Besucher am verwaisten Kassenkabuff vorbei und entdeckten einen inspirierenden Ort, der wie geschaffen ist für die normalerweise auf der Straße beheimatet Kunstform.

Die ehemalige Umkleiden mit dem morbiden Charme eines rasanten Verfalls gehen mit dem in den Kunstwerken vorherrschenden Mix von Gewalt und Aggression eine innige Liäson ein. Wie auch die Abbildungen von verwahrlosten und verletzten Kindern in den Stencel Art Pieces von ALIAS. Die darin enthaltene Gesellschaftskritik hinterläßt im Hirn eine mulmige Leere, die nurnoch von der der ausgelassenen Schwimmbecken übertroffen wird.

Dort tummeln sich Schmetterlinge an drei Kohlköpfen, die auf dem nicht mehr besprungenen Drei-Meter-Brett liegen. Die Kohlweißlinge wurden aus einem schweizer Forschungslabor freigekauft, um zum Bestandteil einer eigenartigen Installation zu werden, die sich dem Betrachter vordergründig nicht erschließt.

Ganz im Gegensatz zu den plakativen Aussagen von Street-Art-Aktivisten El Bocho. Er hat innerhalb von zwei Wochen vor Beginn der Urban Affairs die gesamte Straßenfassade des Stadtbades Wedding mit dem größten Tape-Art Kunstwerk der Welt verziert. 15.000 Meter farbiges Klebeband hat er an die Wand gebracht, um eine attraktive, rothaarige Frau sagen zu lassen: “AND THEN WE TAKE BERLIN”. Eine ebenso klare Aussage wie sein Ausstellungsbeitrag auf großflächiger Leinwand mit dem Konterfei von Barak Obama, der von sich behauptet, nur ein Bürger zu sein.

Spannend wird die Urban Affairs, die 2009 zum zweiten Mal stattfindet, immer dann, wenn die Künstler mit dem Interieur interagieren. So wie sie es normalerweise bei ihren nächtlichen Streifzügen durch Berlin City auch sonst tun. Wenn über die gesamte Breite der Spindtüren ein Rabe prangt, man in seine Eingeweide schauen kann und wie selbstverständlich eine Schranktür offen steht, zeigt sich der intelligente und subtile Humor, der die Street-Art für viele Menschen so sympathisch macht.

Hier geht es nicht um komplexe zeitgenössisch bildende Kunst, sondern um schnell zu rezipierende Messages. Sie kommen einfach, wie die uns überall umgebende Werbung, daher, kriechen aber mit versteckten Subtexten ins Bewusstsein, wenn man schon längst mit einem sommerlichen Kaltgetränk auf der Terasse des Bades sitzt. So wie die in Cut-out-Technik geklebte  “Krisen-Krake” von EMESS, die alle Leit-Währungen dieser Welt fest in den Fangarmen hält. Sie weißt möglicherweise auf die unmittelbar negativen Auswirkungen der rückgängigen Konjunktur auf den Abverkauf der in den letzten Jahren als Wertanlage so hoch geschätzten modernen Kunst hin.

Dabei sind die Straßenkunstwerke hier sicherer und gewinnversprechender untergebracht, als in der freien Wildbahn. Denn es hat sich mittlerweile zu einem beliebten Abendvergnügen von Hauptstädtern und Touristen entwickelt, z.B. die ausgeschnittenen und mit Leim angebrachten Kunstwerke der Street-Artisten vorsichtig zu entfernen und bei sich als Trophäe in Küche, Bad oder auf dem Balkon als cooles Accessoire zweitzuverwenden.

Doch die Künstler nehmen den Diebstahl gelassen hin. Sie sehen darin Bestätigung und PR-Maßnahme zugleich, denn was gefällt, wird geklaut und findet weitere Verbreitung in der stetig wachsenden Fan-Szene.

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